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Geschichte in Bildern heute: José Otero betrachtet kritisch die heutige Spektakel-Gesellschaft
© José Otero.
El Proyecto I.
195 x 210 cm.
Idioma  Deutsch

Traducción
Aportado por: 100kubik
Martes, 25 de Agosto de 2009
Eine junge Frau scheint mit ihren Gedanken in der Vergangenheit zu sein, oder vielleicht träumt sie von einer zukünftigen Situation. Sie sitzt mit gekreuzten Beinen auf einer Matratze auf dem Boden während um sie herum sich ihre alltäglichen Papiere und Fotos in einer geordneten Unordnung verteilen. Dies zu sehen auf einem der großformatigen Bilder des kanarischen Malers José Otero (Las Palmas, 1979), die bis zum 29 August in der Galerie 100 kubik in Köln zu sehen sind im Rahmen einer Ausstellung unter dem Titel „Rund um die Figuration", zusammen mit Werken von Víctor Dolz und Samuel Salcedo.

Das eigentümliche an diesem Bild José Oteros ist, dass er eine alltägliche Szene in einem Format gemalt hat, das früher Historienbildern vorbehalten war. Mittels der in Schilderung verwandelten Malerei erfahren wir die notwendigen Daten, um die Person zu identifizieren: ihre Vorlieben, die Stadt, in der sie lebte, ihr sozialer Status, ihre Tätigkeit. Für Jahrhunderte war diese Ehre Personen und Szenen reserviert, die sich der Bedeutungslosigkeit entzogen und die denkwürdige Personen in beispielhaften Situationen darstellten. José Otero reduziert die Existenz auf die Ebene der Geschichte, das Persönliche auf die Ebene des Politischen und damit erreicht er, dass die Bedeutungslosigkeit der Szene seines Bildes das sei, was der Rolle der einsamen jungen Frau einen Sinn gibt.

José Otero interessiert sich nicht für die fotorealistische Darstellung der Themen, auch wenn er die Bilder, die er zugrunde legt, mit der Kamera einfängt. Seine Malerei hebt den Kontext von Raum und Zeit auf und erweckt so, trotz der Alltäglichkeit seiner Themen, bei den Betrachtern eine gewisse Distanz. Bekannte Objekte werden fremd, manchmal auf Grund der Komposition, auf Grund der Übertreibung des Motivs, durch den Einsatz von Schrift oder weil nur ein Teil der Person gezeigt wird. Es gibt keine direkte soziale Kritik in den Bildern, aber sehr wohl bei dem Künstler. Seine Methode dies alles zu vermitteln ist sehr subtil: er stellt die Wirklichkeit auf eine fast wissenschaftlich kühle Weise dar und das Ergebnis ähnelt einem Bühnenbild. Das Bühnenbild des Lebens so wie es ist, das einer kalten, manchmal entmenschten Welt, in der es schwierig ist sich zu finden, denn Otero analysiert die systematische Demontage der Werte, die die Spektakel-Gesellschaft erleidet, in der wir leben. Seine Personen sind real, auch wenn alles das Gegenteil andeutet.

José Otero folgt sehr klassischen Vorbildern, was seine Materialien betrifft. Er arbeitet mit Ölfarben auf Leinwand, die Dichte der Farbschichten ist beträchtlich und die Pinselstriche sind je nach der Distanz angeordnet, die der Betrachter einnehmen muss, um das Werk als Ganzes erkennen zu können. Erforschung der sichtbaren Eindrücke. Sein Arbeitsprozess ist langwierig, Ölfarben zwingen zu langen Pausen, zum Abtrocknen der Farben, die die Bilder Schicht um Schicht aufbauen, eine wahrscheinlich sehr ungewöhnliche Arbeitsweise für die heutige Zeit, in der schnelle Ergebnisse verlangt werden.

Die Malerei José Oteros fügt einen neuen Blick auf die bildliche Darstellung hinzu. Seine Bilder verlangen Zeit, um sich in sie zu vertiefen und die Ebenen ihrer Bedeutungen zu entziffern. Wir befinden uns vor einem bemerkenswerten jungen Künstler, wie schon seine Teilnahme an einigen wichtigen Sammelausstellungen nahelegt, und seine große Einzelausstellung 2008 in der Galerie für Zeitgenössische Kunst der Kanarischen Regionalregierung mit 50 seiner Werke.
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*Publicado bajo Licencia CC.

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*Publicado bajo Licencia CC por parte de su autora.

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